Geschichte

20 Jahre STV Bis ins Jahr 1987 zurück gehen die Bestrebungen eine Selbsthilfeorganisation für Schleudertrauma-Betroffene zu gründen. Es entstanden Selbsthilfegruppen, die in erster Linie die Probleme von Menschen mit HWS-Verletzungen kennen lernen, und Erfahrungen mit Ärzten und Versicherungen teilen wollten.

 

Beiträge im „Beobachter“ 1988 und im „Kassensturz“ des Schweizer Fernsehens 1990 trugen wesentlich dazu bei, dass die Öffentlichkeit über die Schwierigkeiten von halswirbelsäulenverletzten Menschen informiert wurden. In diversen Fachpublikatio¬nen wurde darauf hingewiesen, dass Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Unfallmechanismus und typischem Beschwerdebild bestehen. Ausserdem wurden Computertomografie und Magnetresonanzuntersuchungen gebräuchlich. Bis 1991 verneinten die Gerichte einen adäquaten Zusammenhang zwischen Unfall und HWS-Beschwerden, falls keine radiologisch nachweisbaren Veränderungen vorlagen. Am 4.2.1991 änderte das eidgenössische Versicherungsgericht seine Praxis und trug den wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung und eröffnete damit Schleudertrauma-Betroffenen zumindest die Möglichkeit eines fairen Verfahrens.

 

Die Idee für einen Verband trug Anwalt Hans Schmidt bereits seit mehreren Jahren mit sich herum. Die Umsetzung war jedoch nicht einfach. Man musste erkennen, dass die Betroffenen selbst aufgrund ihrer Beschwerden oft nicht in der Lage sind, Energie und Durchhaltevermögen für ein solches Projekt aufzubringen.

 

Für den Februar 1991 war die Gründung des Verbandes vorgesehen. Interessanter¬weise fiel dieser Zeitpunkt mit der Veröffentlichung der veränderten Rechtssprechung des eidgenössischen Versicherungsgerichts zusammen. Mit einem Grundsatzurteil anerkannte das Gericht einen möglichen adäquaten Kausalzusammenhang von Unfall und Schleudertrauma der Halswirbelsäule.

 

Am 27.2.1991 trafen sich acht Personen zur Gründung. Dabei wurde Rechtsanwalt Marc Schaetzle das Präsidentenamt übertragen. Das Startkapital betrug imposante. Fr. 1'500.--. Der erste PC wurde mittels Darlehen finanziert. Zu den ersten Aufgaben gehörte neben der Finanzbeschaffung auch bereits die Erarbeitung eines informati¬ven Merkblatts mit dem gleichzeitig Mitglieder für den jungen Verband geworben werden sollten. Bereits nach einigen Monaten wurde auch ein telefonischer Bera¬tungsdienst angeboten. Eine erste Tagung noch im Gründungsjahr erreichte über dreihundert Teilnehmer.

 

Bereits im ersten Jahr wurde ein Mitteilungsblatt das „INFO“ herausgegeben, wel¬ches seit zwanzig Jahren jeweils halbjährlich erscheint. Ab dem zweiten Jahr des Bestehens hat das Bundesamt für Sozialversicherungen der offensichtli¬chen Daseinsberechtigung des Verbandes mit einem Betriebsbeitrag Rechnung getragen. Beim Fünfjahresjubiläum konnte die Geschäftsstelle bereits 2500 Mitglieder und 1500 Beratungsgespräche ausweisen.

 

Der Verband hatte es innert einiger Jahre geschafft, die Diagnose Schleudertrauma bekannt zu machen und sich selbst als Anlaufstelle für Betroffene und Interessierte zu positionieren.

 

Aufgrund der geltenden Rechtssprechung konnte die Beratungsstelle des Verbandes den Schleudertrauma-Betroffenen auch oft positive und Mut machende Informatio¬nen vermitteln. Die Tätigkeit der Beratungstätigkeit wurde, der rasanten technologi¬schen Entwicklung folgend, schnell auch auf die elektronischen Medien und auf die Pflege einer informativen und aktuellen Website erweitert.

 

Nach einigen Jahren entstand als Reaktion auf zahlreiche Anfragen das Projekt „Begleitung“. Betroffene sollten bei Begutachtungen und schwierigen Gängen eine erfahrene Begleitperson verpflichten können. Nach kurzer Anlaufzeit in der Ostschweiz wurde das Angebot mit gutem Erfolg auf die gesamte Deutschschweiz ausgedehnt. Bald war das „Regio-Coaching“ und das dadurch gelungene Empower¬ment unserer Klienten so erfolgreich, dass man darauf aufmerksam wurde. Es erstaunt aus heutiger Sicht nicht, dass diese Dienstleistung, nachdem die Begleitung verboten wurde, im Jahr 2008 eingestellt werden musste. Gestärkte und selbstbe¬wusste Patienten und Behinderte – wo kämen wir da hin?

 

Das nicht ganz so effektive (oder: anders ausgerichtete...) Nachfolgeangebot sind die bereits seit einigen Jahren angebotenen Vorbereitungskurse vor Begutachtungen.

 

Öffentlichkeitsarbeit war permanent ein wichtiges Thema des Verbandes. Das Leben mit den aus einem Schleuder¬trauma entstehenden Problemen sollte verständlich gemacht werden. So wurden Veranstaltungen für Betroffene einerseits, medizinische und juristische Fachleute andererseits durch¬geführt. Während einiger Jahre war der Verband mit der Ausstellung „KopfSicher“ an diversen Messen und in Einkaufszentren präsent. Eine CD und ein Film „plötzlich ist alles anders“ wurden mitproduziert, eine grosse Plakataktion organisiert und natürlich diverses Informationsmaterial aufgelegt und vertrieben.

 

Vieles stand auf der imaginären Wunschliste des Verbands. Nicht alles konnte bis heute realisiert werden. Immer wieder waren Rückschläge zu verzeichnen. Und hie und da war es auch nicht einfach alle differierenden Wünsche der Mitglieder unter einen Hut zu bringen.

 

Im heutigen sozialpolitischen und gesellschaftlichen Umfeld wird die Ökonomie über die Bedürftigkeit eines Betroffenen gestellt. Unsere Sozialwerke müssen saniert werden. Dies soll offensichtlich ausschliesslich zu Lasten der Leistungsempfänger geschehen. Unter dieser Maxime haben Schleudertrauma-Betroffene, aber nicht nur diese, schlechte Karten.

 

Gerade heute wird der Verband seine Anstrengungen im Auftrag und zum Wohle seiner Mitglieder weiter verstärken um das erste Anliegen - „der Schleudertraumaverband tritt ein für einen diskriminierungsfreien Zugang der geschädigten Menschen zum gesellschaftlichen Leben. Er bekämpft Tendenzen zur Ausgrenzung und fördert die Solidarität zwischen behinderten und gesunden Menschen“ - mit noch grösserer Vehemenz zu verfolgen.

 

Nein zum Abbau der IV

icon Medienmitteilung

     und Mitgliederliste

weiter …
 
mehr IV-Fälle vor Gericht
Beim Zürcher Sozialversiche- rungsgericht ist die Zahl der IV-Fälle stark gestiegen. Seit 1995 von 17.5% auf 54%!

Tagesanzeiger vom 22.3.2012

weiter …
 
Mit dem Gutachte(r)n entscheidet sich alles

Samstag, 16.  Juni 2012 in Aarau

 

Kurs für Betroffene, die sich auf eine Begutachtung vorbereiten.

 

icon Ausschreibung / Anmeldung

icon Interview mit M. Stalder

weiter …
 

suchen und finden

© 2012 Schleudertraumaverband Schweiz | internetagentur JANIS